Andrea Amati

By Willibald Leo Lütgendorff

Der Stammvater der berühmten Geigenmacherfamilie, deren Ahnen sich bis ins frühe Mittelalter (1097) zurückverfolgen lassen, und die, wie Lancetti, de Piccolellis u. A. annehmen, deutschen Ursprungs war. Andrea's Geburtstag zu ermitteln, gelang noch nicht, da die Kirchenbücher aus so früher Zeit nicht mehr vorhanden sind. Auch sein Todestag liess sich nicht feststellen, er scheint also nicht in Cremona selbst gestorben zu sein. Nach dem Wortlaut des Todtenscheins seiner zweiten Frau muss er im Jahre 1611 noch gelebt haben. Von seinem Leben ist nicht allzu viel bekannt. Schon 1554 ging er seine erste Ehe ein, doch ist der Name der Frau nicht angegeben. Er hatte von ihr drei Kinder, darunter Antonio und Girolamo. Gegen 1609 verheirathete er sich zum zweiten Male mit der erst 18 jährigen Angiola de Migli, die schon zwei Jahre später starb. Alles, was über seine Lehrer gesagt wird, ist nur Vermuthung. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass er in Cremona selbst gelernt hat, es ist auch möglich, dass er zu den Brescianern in seiner Lehrzeit Beziehungen hatte; aber es geht zu weit, wenn man geradezu Giammarcello del Busetto als seinen Lehrer angiebt. Dass er ein Schüler Caspar da Salò's gewesen sei, lässt sein Alter schon als unglaublich erscheinen. An die Brescianer erinnern höchstens seine weiten F-Löcher und die abfallenden Ecken, in der Hauptsache hielt er sich an die überlieferten Modelle. Es sind übrigens nur wenige Instrumente erhalten, die ihm mit einiger Sicherheit zugeschrieben werden können, aber auch diese meist vielfach ausgebessert. Anfangs baute er, wie erwähnt, noch nach den alten Gambenmodellen, und erst allmählich nahm er die jetzt gebräuchliche Geigenform an. Er bevorzugte ein kleines Patron, wählte gutes Holz, das er in entsprechender Stärke verwendete. Der Boden ist fast immer nach der Schwarte geschnitten. Auch sein Lack ist in der ältesten Zeit noch der bei Lauten- und Violenbauern des 16. Jahrh. häufig verwendete schwarz-röthliche, später kommt er davon ab und gebraucht einen dunkelgelben oder hellbraunen Lack, den er nur etwas zu dick aufträgt. Die Wölbung ist ziemlich hoch, weshalb auch der Ton nicht allzuvoll klingen kann, doch ist er silberhell und weich. Den heutigen Anforderungen entsprechen seine Violinen freilich nicht mehr, sie werden aber immer einen hohen Sammelwerth behalten. Er war schon bei Lebzeiten sehr berühmt und soll auch von König Karl IX. von Frankreich viel beschäftigt worden sein. Belege hiefür liessen sich freilich nicht finden, doch dürfte der alten Überlieferung immerhin etwas Wahres zu Grunde liegen. Ein schönes, echtes Violoncello von ihm besitzt Simoutre in Paris, das wahrscheinlich aus dem Besitze der kgl. Hofkapelle in Paris stammt. Andrea war der Begründer des Ruhms seiner Familie, deren Name vielleicht am meisten missbraucht wurde. Jede ältere Geige, die nur einigermaassen Italienisch aussieht, wurde mit dem Namen eines der Amati getauft.

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