Nicolo Amati

By Willibald Leo Lütgendorff

Sohn und Schüler des talentvollen Girolamo I und Enkel Andrea's. Er war seit 1645 mit Lucreria Pagliari (geb. 1619, f 1703) vermählt. Einer seiner Trauzeugen war sein Schüler Guarneri. Von seinen neun Kindern wurde nur Girolamo II ein Geigenbauer. Nicola Amati war der grösste Künstler aus seiner Familie. Bis etwa 1625 arbeitete er ziemlich genau nach dem Modelle seines Vaters, häufiger als Violinen scheint er damals Gamben und Violen gemacht zu haben. Auf der Höhe seiner Kunst stehend, findet er allmählich sein eigenes Modell, das er schliesslich zu dem sog. »Grossen Amati-Modell« ausgestaltete. Es war dies die schönste Frucht seines rastlosen Strebens und sichert seinem Namen in der Geschichte des Geigenbaues einen unvergänglichen Ruhm, auch wenn die Werke seiner grossen Schüler jetzt vorgezogen werden, weil sie den heutigen Anforderungen besser entsprechen. Er war im Vollbesitz dessen, was man jetzt so gerne das »Geheimnis der Cremoneser« bezeichnet. Seine Arbeit verräth den denkenden Künstler, und es ist sicher, dass er seine wissenschaftlichen Kenntnisse, die er zweifellos besessen hat, nicht nur auf empirischem Wege erwarb. Wölbung und Holzstärke sind besser erdacht und feiner berechnet als bei allen seinen Vorgängern. Der Rand ist schräg abgerundet, die F-Löcher kühn im Schwung, die Schnecke meist klein, aber elegant, das Holz prachtvoll gewählt und der Lack elastisch und feurig, von gelbbrauner bis rothgoldiger Farbe. Er war von bestimmendem Einfluss auf die ganze Cremoneser Schule und fast alle Meister ersten Ranges vom Beginne des 18. Jahrhunderts waren direct oder indirect seine Schüler. Er nahm das Gute der Brescianer, sowie aller seiner Vorgänger auf. Die Formen werden bei ihm edler, das Format zierlicher, die äusserliche Verzierung fällt weg, und dafür wird der Wahl des Holzes und des Lackes besondere Aufmerksamkeit zugewendet. So sind seine Geigen vollendete Kunstwerke, der Ton ist zwar mehr lieblich als gross, entsprach aber vollkommen der Forderung seiner Zeit, und deshalb behaupteten seine Geigen den allerersten Platz bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts unbestritten. Er baute Violinen, Violen und Violoncelli, es giebt aber auch einige Bässe von ihm, darunter solche, die seinen Namen und Jahreszahlen von 1580 — 1586 tragen. Man hat daher angenommen, dass er einen gleichnamigen Oheim gehabt haben müsse. Wahrscheinlich sind es Arbeiten von ihm mit gefälschter Jahreszahl.

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